Ende einer Ära - Braunkohle-Koloss F60 in Jänschwalde gesprengt
Bereits Anfang 2024 verstummten im Tagebau Jänschwalde die Förderbänder. Mit dem Ende der Kohleförderung ging nach mehr als 45 Jahren auch die produktive Einsatzzeit der Abraumförderbrücke F 60 zu Ende.
In den Monaten danach begann die letzte Phase ihres Bestehens – die Vorbereitung auf Sprengung und Verschrottung, ein stiller Abschied von einem prägenden Zeugnis des industriellen Bergbaus.
Mit Erreichen der Endstellung am Ende des rund zehn Kilometer langen Randschlauchs wurde die F 60 am 5. Februar 2026 kontrolliert gesprengt. Damit schloss sich ein zentrales Kapitel des Braunkohleabbaus im Tagebau Jänschwalde.
«Meisterwerk der Ingenieurkunst»
Der Stahlkoloss wurde eingesetzt, um die mächtigen Erd- und Gesteinsschichten abzutragen, die über den Kohleflözen lagen. Die Bezeichnung „F60“ verweist auf die ursprünglich geplante maximale Abtragsmächtigkeit von 60 Metern. Technisch handelte es sich um eine riesige Schwenk- und Förderanlage mit einer Länge von 502 Metern, einer Breite von 204 Metern und einer Höhe von rund 80 Metern. Damit bereitete sie den Untergrund für Kohlebagger vor und macht die Braunkohle überhaupt zugänglich. Dadurch konnte das Material effizient und ohne längere Unterbrechungen bewegt werden, was den Tagebau deutlich wirtschaftlicher machte. Sie war eine der ersten von insgesamt fünf Abraumförderbrücken, die ab den 1960er- bis in die 1980er-Jahre vom führenden Anlagenbauer der DDR, VEB TAKRAF Lauchhammer, entwickelt und gebaut wurden.
Seit Beginn der Förderung im Jahr 1976 bis Ende 2023 wurden im Tagebau Jänschwalde insgesamt rund 661 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gewonnen. Diese Zahl steht für die enorme energie- und wirtschaftspolitische Bedeutung des Standorts über Jahrzehnte hinweg, erzählt auch von Energiepolitik und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Die devastierten Orte der Lausitz durch den Tagebau Jänschwalde stehen dabei auch für einen tiefgreifenden Wandel und verdeutlicht damit das Ausmaß des Eingriffs in Natur und Landschaft, der das Bild der Region und das Leben der Menschen nachhaltig verändert hat.
»vier Lausitzer Giganten prägen weiter das Revier»
Die Arbeitsmaschine im ehemaligen Tagebau Jänschwalde war im Verbund mit anderen Tagebaugroßgeräten ein technisches Schlüsselbauwerk. Sie versorgten das Kraftwerk Jänschwalde über Jahrzehnte hinweg zuverlässig mit Kohle – in unterschiedlichen politischen Systemen. Damit war sie ein tragender Bestandteil der Energieversorgung in der DDR und später in der Bundesrepublik Deutschland. Drei andere Förderbrücken des Typs F60 sind heute noch im Lausitzer Braunkohlenrevier im Betrieb und sichern derzeit weiterhin einen Teil der Energieversorgung und stehen zugleich im Kontext des laufenden Transformationsprozesses der Region.
Ganz anders ist die Situation bei der fünften und letzten gebauten F60. Weithin sichtbar ragt die ehemalige Abraumförderbrücke F60, im Volksmund „liegender Eiffelturm“ genannt, in den Lausitzer Himmel. Das kolossale Denkmal Brandenburger Industriekultur empfängt jedes Jahr Tausende Gäste. Führungen bis in luftige 80 m Höhe eröffnen atemberaubende Einblicke in die meisterhafte Konstruktion – und Ausblicke in die ehemalige Tagebaulandschaft Klettwitz Nord.
Die Sprengung der F 60 symbolisiert daher nicht nur das Ende eines technischen Giganten, sondern auch den Übergang in eine neue Phase des Lausitzer Reviers.
Wir - das LBGR - sind als Fach- und Vollzugsbehörde für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Brandenburg zuständig, begleiten Stilllegungs- und Sanierungsmaßnahmen fachlich und rechtlich, überwachen deren Umsetzung und schaffen somit die Voraussetzungen für eine sichere Nachnutzung der Bergbaufolgelandschaften. Unsere Verantwortung für eine umfassende und nachhaltige Sanierung der Bergbaufolgelandschaft steht im Vordergrund – damit die Region auch künftig sicher und lebenswert bleibt.
Seien wir uns dessen bewusst, dass dieses Ereignis für viele Menschen ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft ist, aber auf der anderen Seite stellt es auch das Ende dieser Ära dar, was Schmerz und Melancholie erzeugt.
Mit Blick auf die Zukunft und die Energiewende hoffen wir, unsere gewohnte Versorgungssicherheit nicht zu verlieren – egal bei welchem Wetter.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
ÖA im LBGR
Bereits Anfang 2024 verstummten im Tagebau Jänschwalde die Förderbänder. Mit dem Ende der Kohleförderung ging nach mehr als 45 Jahren auch die produktive Einsatzzeit der Abraumförderbrücke F 60 zu Ende.
In den Monaten danach begann die letzte Phase ihres Bestehens – die Vorbereitung auf Sprengung und Verschrottung, ein stiller Abschied von einem prägenden Zeugnis des industriellen Bergbaus.
Mit Erreichen der Endstellung am Ende des rund zehn Kilometer langen Randschlauchs wurde die F 60 am 5. Februar 2026 kontrolliert gesprengt. Damit schloss sich ein zentrales Kapitel des Braunkohleabbaus im Tagebau Jänschwalde.
«Meisterwerk der Ingenieurkunst»
Der Stahlkoloss wurde eingesetzt, um die mächtigen Erd- und Gesteinsschichten abzutragen, die über den Kohleflözen lagen. Die Bezeichnung „F60“ verweist auf die ursprünglich geplante maximale Abtragsmächtigkeit von 60 Metern. Technisch handelte es sich um eine riesige Schwenk- und Förderanlage mit einer Länge von 502 Metern, einer Breite von 204 Metern und einer Höhe von rund 80 Metern. Damit bereitete sie den Untergrund für Kohlebagger vor und macht die Braunkohle überhaupt zugänglich. Dadurch konnte das Material effizient und ohne längere Unterbrechungen bewegt werden, was den Tagebau deutlich wirtschaftlicher machte. Sie war eine der ersten von insgesamt fünf Abraumförderbrücken, die ab den 1960er- bis in die 1980er-Jahre vom führenden Anlagenbauer der DDR, VEB TAKRAF Lauchhammer, entwickelt und gebaut wurden.
Seit Beginn der Förderung im Jahr 1976 bis Ende 2023 wurden im Tagebau Jänschwalde insgesamt rund 661 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gewonnen. Diese Zahl steht für die enorme energie- und wirtschaftspolitische Bedeutung des Standorts über Jahrzehnte hinweg, erzählt auch von Energiepolitik und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Die devastierten Orte der Lausitz durch den Tagebau Jänschwalde stehen dabei auch für einen tiefgreifenden Wandel und verdeutlicht damit das Ausmaß des Eingriffs in Natur und Landschaft, der das Bild der Region und das Leben der Menschen nachhaltig verändert hat.
»vier Lausitzer Giganten prägen weiter das Revier»
Die Arbeitsmaschine im ehemaligen Tagebau Jänschwalde war im Verbund mit anderen Tagebaugroßgeräten ein technisches Schlüsselbauwerk. Sie versorgten das Kraftwerk Jänschwalde über Jahrzehnte hinweg zuverlässig mit Kohle – in unterschiedlichen politischen Systemen. Damit war sie ein tragender Bestandteil der Energieversorgung in der DDR und später in der Bundesrepublik Deutschland. Drei andere Förderbrücken des Typs F60 sind heute noch im Lausitzer Braunkohlenrevier im Betrieb und sichern derzeit weiterhin einen Teil der Energieversorgung und stehen zugleich im Kontext des laufenden Transformationsprozesses der Region.
Ganz anders ist die Situation bei der fünften und letzten gebauten F60. Weithin sichtbar ragt die ehemalige Abraumförderbrücke F60, im Volksmund „liegender Eiffelturm“ genannt, in den Lausitzer Himmel. Das kolossale Denkmal Brandenburger Industriekultur empfängt jedes Jahr Tausende Gäste. Führungen bis in luftige 80 m Höhe eröffnen atemberaubende Einblicke in die meisterhafte Konstruktion – und Ausblicke in die ehemalige Tagebaulandschaft Klettwitz Nord.
Die Sprengung der F 60 symbolisiert daher nicht nur das Ende eines technischen Giganten, sondern auch den Übergang in eine neue Phase des Lausitzer Reviers.
Wir - das LBGR - sind als Fach- und Vollzugsbehörde für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Brandenburg zuständig, begleiten Stilllegungs- und Sanierungsmaßnahmen fachlich und rechtlich, überwachen deren Umsetzung und schaffen somit die Voraussetzungen für eine sichere Nachnutzung der Bergbaufolgelandschaften. Unsere Verantwortung für eine umfassende und nachhaltige Sanierung der Bergbaufolgelandschaft steht im Vordergrund – damit die Region auch künftig sicher und lebenswert bleibt.
Seien wir uns dessen bewusst, dass dieses Ereignis für viele Menschen ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft ist, aber auf der anderen Seite stellt es auch das Ende dieser Ära dar, was Schmerz und Melancholie erzeugt.
Mit Blick auf die Zukunft und die Energiewende hoffen wir, unsere gewohnte Versorgungssicherheit nicht zu verlieren – egal bei welchem Wetter.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
ÖA im LBGR
